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Webdesign nach Maß von webdesign weisshart

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Ein Unterthan erdreystet sich

Samstag, 28. Juli 2012

Jawohl. Ich habe es getan. Ich einfacher EU-Bürger habe mich erdreistet, die EU darauf hinweisen zu wollen, dass es eine Verbesserungsmöglichkeit in einem ihrer Angebote an mich gibt. Leider ist es beim Wollen geblieben, weil die EU alle meine Versuche, einen geeigneten Ansprechpartner für mein Anliegen zu finden, einfach ignoriert. Wohl nach dem Motto: "Wo kämen wir denn hin …".

Doch der Reihe nach:
Eva Papst, eine blinde EU-Bürgerin und Accessibility-Expertin, sollte eine von der EU Kommission veröffentlichte Smartphone-App auf Barrierefreiheit testen. Sie bat mich, ihr bei diesem Test zu assistieren. Das Ergebnis meines Kurztests habe ich hier gebloggt: Passagierrechte für Personen mit Behinderungen. Ein EU (Schildbürger-) Streich.

Nun ist es mein Ding nicht, nur zu meckern. Vielmehr hatte ich die feste Absicht, die Entwickler der App konkret auf Accessibility-Mängel der App hinzuweisen. Also habe ich mich auf die Suche nach einem Ansprechpartner gemacht. Gar nicht so einfach. Auf Webseiten der EU gibt es kein Impressum. Aber mit einiger Mühe wurde ich dennoch fündig, und habe an folgende Adressen geschrieben:

  • address-information@ec.europa.eu
    Wie aus der Adresse zu entnehmen ist, eine Stelle (Behörde?), die über Adressen innerhalb der EU Kommission Auskunft geben sollte.
  • digit-europa@ec.europa.eu
    Ein Schuss ins Blaue, in der Hoffnung, dass sich hinter dieser Adresse Menschen mit Verständnis für IT verstecken.
  • cab-kallas-web-feedback@ec.europa.eu
    Siim Kallas, Vizepräsident der Kommission, verantwortlich für Verkehr (Webseite)
    An dieser Stelle habe ich vermutlich den Bogen überspannt. Direkt an den Vizepräsidenten zu schreiben! Vielleicht würde sich irgend jemand in seinem Büro des Anliegens eines einfachen EU Bürgers annehmen?
  • Schließlich griff ich zum Telefon, und rief ganz dreist im Büro der EU in München an. Ein freundlicher Herr dort reagierte prompt, und nannte mir folgende Kontaktmöglichkeit zum Web Team:
    http://europa.eu/geninfo/mailbox/form_de.htm

    Klasse. Endlich. Flugs mein "Anliegen" (so nennt man wohl die Frage eines Untertans an die Obrigkeit) dort ins Kontaktformular gestellt.

Hier der Inhalt meiner Mails:

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Auftrag einer blinden Bekannten versuche ich, Kontakt mit den Entwicklern der App http://itunes.apple.com/de/app/your-passenger-rights-for/id535428814 aufzunehmen. Die App weist erhebliche Mängel bezüglich Barrierefreiheit auf. Ich würde gerne Details weitergeben

Bisheriges Fazit meiner Bemühungen:
Nach nunmehr 3 (i. W. drei) Wochen nicht eine einzige Antwort. Nicht einmal eine Eingangsbestätigung.
Ob die angeschriebenen Herrschaften sich wohl bei der Annahme ihres monatlichen Gehaltsschecks, der immerhin von meinen Steuern finanziert wird, auch so zieren?

Wenn mir so ein Fall von obrigkeitlicher Borniertheit in Deutschland passieren würde, dann wüsste ich, was zu tun ist. "Mein" Abgeordneter würde mir bestimmt ganz schnell eine Adresse benennen, wo ich Untätigkeitsbeschwerde einlegen kann.

Nachtrag 02.08.2012

Recht spät doch noch eine Reaktion:


In Antwort auf Ihre Anfrage möchten wir Ihnen mitteilen, dass die Europäische Kommission sich der Situation bewusst ist und an der Verbesserung der Barrierefreiheit der Smartphone-Applikation arbeitet.

Sollten Sie jedoch weitere Details weitergeben möchten, können Sie sich gerne unter folgender E-Mail-Adresse direkt an den zuständigen Dienst (Generaldirektion Mobilität und Transport) der Kommission wenden.
MOVE-APRIGHTS@ec.europa.eu

Eva Papst hat übrigens eine ähnlich lautende Antwort erhalten. Mit der zusätzlichen Aussage, dass in 2013 (in Worten: zweitausenddreizehn) mit einer neuen Version zu rechnen ist.

Meine Lesart:

Danke, wir sind an Ihren Informationen nicht interessiert. Wir wissen selbst, was zu tun wäre, aber wir haben es nicht nötig (sonst hätten wir die App ja gleich richtig geschrieben). Sollten Sie dennoch ihr Anliegen weiter verfolgen wollen: So schnell wird das nicht umgesetzt.

Gut, ich habe verstanden. Ein einfacher Bürger möge die Kreise der Europäischen Kommission nicht stören.



1 Kommentar

  1. Danke, dass Du Dir die Mühe überhaupt gemacht hast. Ich finde das erinnert an Kafka. Faszinierend und gruselig.

    Kommentar von Sandra — Donnerstag, 2. August 2012 - 17:28 Uhr

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