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Webdesign nach Maß von webdesign weisshart

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Passagierrechte für Personen mit Behinderungen. Ein EU (Schildbürger-) Streich.

Freitag, 6. Juli 2012

Screenshot Webseite
Reisen ist ein Recht für alle
In Europa sind Reisen für jeden fünften Bürger aufgrund von Alter, Behinderung oder eingeschränkter Mobilität schwierig. Deshalb hat die Europäische Union eine Reihe von Rechten festgelegt, damit dieser Personenkrels genauso problemlos mit dem Flugzeug oder der Bahn reisen kann wie jeder andere.

So weit so gut. Ob die Europäische Kommission diese ihre eigene Aussage verinnerlicht hat, darf bezweifelt werden.
Auf der Website werden Apps für verschiedene Smartphones angeboten. Ich hab' mir die iPhone App mal angeschaut; oder besser angehört, mit VoiceOver. VoiceOver, das ist das Hilfsmittel, mit dem blinde User das iPhone bedienen. Also exakt die Zielgruppe. Wenn also für die Zielgruppe der blinden iPhone User eine App angeboten wird, dann sollte diese Zielgruppe die App auch bedienen können.

Schauen wir uns einmal die Startseite "Bahn" an:

Screenshot iPhone App - Bahn
Die Startseite "Bahn" bietet ein Menü mit Themen und verlinkt zu den Antwortseiten.
Beispiel:
  • Kauf einer Fahrkarte
  • Verfügbarkeit von Informationen
  • Sicherheit im Zug und auf den Bahnhöfen
  • usw.

Antippen der ersten Option öffnet die Seite "Kauf einer Fahrkarte":

Screenshot iPhone App - Bahn
Kauf einer Fahrkarte
Welche Rechte habe ich?
Sie können Ihre Karte an einem Fahrkartenschalter oder an einem Fahrkartenautomaten, per Telefon oder über das Internet kaufen. Wenn keine dieser Möglichkeiten verfügbar ist, können Sie Ihre Fahrkarte auch im Zug kaufen
Wie kann man sich beschweren?
Wenn Sie glauben, dass Ihre Rechte … usw.

Sieht doch alles gut aus. Nicht so für blinde User. Die kriegen auf der Seite etwas ganz anderes als sehende User vorgesetzt:

Audio der Seite "Kauf einer Fahrkarte" von VoiceOver gelesen.

Ab ca. Sekunde 13 läuft die Bildschirmanzeige und die Sprachausgabe auseinander. Da wird an Stelle des angezeigten Inhalts die nicht sichtbare Menüseite erneut vorgelesen!
Nein! Das ist keineswegs ein einzelnes Mißgeschick. Die Accessibility-Probleme ziehen sich durch die ganze App. Es wäre ermüdend, und vermutlich wenig zielführend, jedes einzelne Detail hier zu dokumentieren

Was soll man davon halten? An Stelle eines (vernichtenden) Urteils über die Entwickler (können Sie es nicht, oder wollen sie nicht?) hier einige Links, die sich die Entwickler einmal zu Gemüte führen sollten:

Testen Sie selbst (Eva Papst).

See for yourself (english).

So baut man VoiceOver-Support in iOS-Anwendungen ein (Marco Zehe)

Nachtrag 17.07.2012

Eva Papst, eine unmittelbar Betroffene, hat einen grundsätzlichen Artikel zu der Thematik geschrieben:
http://aus-meiner-feder.at/alltag/kompensation.php



2 Kommentare

  1. Genau genommen ist alles Wesentliche bereits gesagt. Ich weiß jetzt, warum ich nach dem ersten Aufruf der App zuerst orientierungslos auf dem Bildschirm "herumgetappt" bin und auch, weswegen ich mich nach dem Einblenden eines Themas nochmals durch die gesamte Liste wischen muss.

    Als Zielgruppe dieser App fühle ich mich jedoch ziemlich auf den Arm genommen,. Hier wurde wieder einmal der Grundsatz des Gleichstellungsgesetzes Bedienbarkeit "… ohne erhöhten Mehrwaufwand und grundsätzlich ohne fremde Hilfe …" quasi mit Füßen getreten. So gesehen wundert es mich auch nicht, dass die Ansicht noch immer weit verbreitet ist, Barrierefreiheit koste viel Geld. Denn es wird sicher nicht ohne entsprechende Finanzspritze möglich sein, diese Großbaustelle zu sanieren. Dass viele Entwickler von weit komplexeren Apps wissen, wie man ohne viel Aufhebens auch mit VoiceOver gut bedienbare Anwendungen macht, erhöht nicht gerade mein Verständnis für die Art der Präsentation derart wichtiger Inhalte.

    Note 5 - zurück an den Start!

    Kommentar von Eva — Dienstag, 10. Juli 2012 - 12:50 Uhr

  2. Ich versuche, mit dem Entwickler der App in Kontakt zu kommen. Kein einfaches Unterfangen. Ein Impressum oder Ähnliches scheint die EU nicht nötig zu haben.

    Die einzige Kontaktadresse, die ich gefunden habe:
    address-information@ec.europa.eu
    Seit einer Woche warte ich jetzt auf Antwort auf meine Anfrage:
    ————–
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    auf Ihrer Website
    http://ec.europa.eu/transport/passenger-rights/de/index.html
    wird unter anderem eine App für mobile Geräte angeboten:
    http://ec.europa.eu/transport/passenger-rights/de/mobile.html

    Können Sie mir bitte eine Ansprechperson nennen, die für die technische Umsetzung dieser Apps zuständig ist.
    Hintergrund:
    Die App ist nicht barrierefrei, und kann von blinden Personen nicht bedient werden.
    Ich würde gerne entsprechende Hinweise an die zuständige Person geben.

    mit freundlichen Grüßen

    Fritz Weisshart

    Kommentar von Fritz — Dienstag, 17. Juli 2012 - 11:55 Uhr

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