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Webdesign nach Maß von webdesign weisshart

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Mit den Händen sehen

Montag, 27. Juni 2011

Das Kunsthistorische Museum Wien KHM bietet seit kurzem blinden und sehbehinderten Menschen ein einzigartiges Erlebnis. Ausgewählte Gemälde aus der Sammlung wurden in ertastbare Reproduktionen umgesetzt. In Verbindung mit einer ausführlichen Bildbeschreibung in Braille-Schrift wurde wohl das Optimum erreicht beim Versuch, Kunst, die ausschließlich für das Auge geschaffen wurde, auch Menschen zugänglich zu machen, die Kunstwerke nicht oder nicht mehr über den Sehsinn erfassen können.

"Madonna im Grünen" Raffael 1505 oder 1506

Das Original
Das Original: Raffael - Madonna im Grünen
Foto: © Kunsthistorisches Museum
Das Relief
Das Foto zeigt eine Vorstufe des Reliefs ohne Glättung. Die Gesichter sind noch relativ grob gefräst.
Foto: © Kunsthistorisches Museum
Das fertige Exponat in der Ausstellung
Foto: © Kunsthistorisches Museum

Am Beispiel dieses Exponats möchte ich versuchen, meinen Eindruck von der begeisternden Technik zu beschreiben. Wobei ich mit Technik nicht das Fräsen und Gießen des Reliefs meine.

Nein, mich fasziniert der künstlerische Prozess, die Umsetzung von rein optischen in tastbare Informationen. Unter einem rein technischen Aspekt transportiert ein Gemälde Informationen mittels Farben und Konturen. In Farben und Konturen verschlüsselt sind fallweise auch die dritte Dimension, die Tiefe des Raumes, und plastische Formen. Darüber hinaus werden Stimmungen durch Lichter und Schatten, also letztlich wieder durch Farben ausgedrückt. Kein Programm wird in absehbarer Zeit in der Lage sein, all diese virtuellen Informationen automatisch "richtig" in andere Dimensionen zu übersetzen. Nur das Einfühlungsvermögen eines Künstlers kann letztlich entscheiden, ob und wie Farbübergänge, Lichter, Konturen usw. durch tastbare Details wie Oberflächenstruktur, erhabene Bereiche, Kanten, Rundungen usw. repräsentiert werden können. Letztlich entsteht so aus dem Original-Kunstwerk ein Sekundärkunstwerk mit einer eigenen Qualität, aber mit dem Anspruch, das Original bestmöglich zu repräsentieren.

Für das Projekt wurde ganz offensichtlich dieser Künstler mit technischem Background (oder Techniker mit Kunstverstand?) gefunden. Dipl.-Ing.(FH) Andreas Reichinger, Computer Vision - VRVis Forschungs-GmbH, www.VRVis.at.

Herr Reichinger hat mir freundlicherweise den Prozess geschildert. Wie nicht anders erwartet, bedient er sich verschiedener Programme - Photoshop, aber auch speziell für diesen Zweck erstellter Software. In einem ersten Schritt werden mit Unterstützung von Photoshop die Konturen nachgezeichnet. Ja, nicht vom Programm ermittelt, sondern manuell nachgezeichnet. Ein Mensch muss in diesem Schritt zwischen relevanter Information und "Rauschen" unterscheiden. Bei der Hinzufügung der Information über die räumliche Tiefe, dem nächsten Schritt, hilft wiederum Software. Allerdings gibt es Fälle, welche die Software zum "Stolpern" bringen. Beispiel: Der Figur der Madonna ist eine bestimmte Tiefeninformation zugeordnet. Das Jesuskind steht unzweifelhaft eine Ebene davor. Nun umschlingt Marias Arm das Jesuskind, durchdringt also quasi die Ebene des Jesuskinds, und mündet in der Hand, also noch eine Ebene davor. Diese "Krümmung" in der Tiefeninformation des Elements Arm muss manuell hinzugefügt werden.

Interessant am Rande: Der Großteil des Prozesses wird auf Basis eines Graustufenbilds durchgeführt. Der Grund hierfür: Die Menge an Informationen muss für eine ertastbare Reproduktion reduziert werden. Für wichtiger als Farben wurde erachtet, Texturen und Oberflächenbeschaffenheit zu transportieren. Farbinformationen müssen, und können ohne Qualitätseinbuße, aus der Bildbeschreibung entnommen werden.

Der nächste, wichtige Schritt war die Abbildung von plastischen Elementen, hier insbesondere von Gesichtern. Ein Filterprogamm auf Bildausschnitte angewandt konnte hier einen guten Teil der Arbeit übernehmen.

Das Projektteam erachtete als wichtig, Gesichter auch für sehende Betrachter ansprechend zu gestalten, und damit das ganze Relief. Ich kann nur bestätigen, dass dies hervorragend gelungen ist. Für die am Projekt beteiligten blinden Testpersonen war natürlich die Haptik wichtig. Ein Gesicht oder Körperteil muss weiche Rundungen zeigen, und keineswegs Schichtungen wie Höhenlinien, die von der eigentlichen Form ablenken würden.

Das Relief
Das fertige, ausgestellte Relief

Von der Vorlage, dem in hoher Qualität eingescannten Original, bis zur Vorlage für die computergesteuerte Fräsmaschine, wurden mehrere verschiedene, auch speziell für diesen Zweck geschriebene Programme koordiniert eingesetzt. Der Wunsch, zukünftig diese verschiedenen Programme zu einem einzigen zu konsolidieren, und auf diese Weise die Technik portabler und auch kostengünstiger zu machen, ist verständlich.

Ergänzend, und für das Verständnis des Kunstwerks unverzichtbar, gibt es eine Bildbeschreibung, die der Qualität des zu beschreibenden Kunstwerks adäquat ist. Diese Beschreibung geht weit über Form und Inhalt einer typischen Bildbeschreibung, wie sie z. B. im Web eingesetzt wird hinaus, und beinhaltet auch weiterführende Informationen über das jeweilige Werk.

Im folgenden ein kurzer Auszug:

… Raffael verstand es meisterhaft, dank Farbgebung, Figurentypik und Symbolik den tiefen religiösen Charakter dieses Andachtsbildes herauszuarbeiten. Marias Gewänder sind in den ihr theologisch zugeordneten Farben gehalten. Sie trägt ein rotes, langärmeliges Kleid mit einem halbrunden Halsausschnitt. Der Saum des Dekolletees ist mit goldenen Buchstaben bestickt, in denen die Jahreszahl 1506 zu lesen ist. Ihr strahlend blauer Mantel, ebenfalls mit einer kostbaren Goldborte verbrämt, ist stoffreich um ihre Hüften und Beine drapiert. Sie strahlt Würde und Ruhe aus, ganz auf die Kinder zu ihren Füßen konzentriert. Johannes ist im Verhältnis zu Maria als Kleinkind geschildert, ein Bub von vielleicht drei oder vier Jahren, Christus etwas jünger. Nach theologischer Auffassung sind die Cousins altersmäßig kaum voneinander entfernt. Raffael gibt den beiden jedoch unterschiedlich reife Gesichtszüge, vermutlich um die theologische Botschaft zu unterstreichen. Johannes als letzter Prophet verheißt die Ankunft des Erlösers, er ist ja auch der Täufer Christi.

Quelle: Kunsthistorisches Museum

Man kann dem KHM zu diesem Projekt nur gratulieren, und viel Erfolg wünschen. Schön wäre es, wenn Kopien der Exponate auf Reisen gehen könnten, um blinden Menschen auch außerhalb Wiens diesen Kunstgenuss zu ermöglichen. Noch schöner wäre es, die Technik portabel zu gestalten, um auch andere Museen weltweit zu animieren, eigene Exponate auf diese Weise blinden Menschen zugänglich zu machen.

Mein Dank geht an die Projektleiterin Frau Dr. Krall, KHM, für viele interessante Hintergrundinfos, sowie an Eva Papst, die auch maßgeblich am Projekt beteiligt war, für die "Museumsführung". Eva Papst wird hoffentlich in Ihrem Blog http://aus-meiner-feder.at auch noch einen eigenen Beitrag aus ihrem Blickwinkel schreiben.

Weiterführende Links:

vr vis - Tactile Paintings (english)


Seh-Hilfe - Test der iPhone App vizwiz

Wie angekündigt, heute eine kurze Beschreibung von vizwiz

vizwiz versucht, mit dem iPhone fotografierte Objekte zu erkennen. Es setzt dabei auf maschinelle Bilderkennung, aber auch auf Menschen.

Vorgehensweise:

  • Objekt fotografieren
  • Frage stellen. Mündlich! Die Frage wird aufgezeichnet, und als Audio-Datei zusammen mit dem Foto verschickt.
  • Auswahl, welche Quellen befragt werden sollen. Hier stehen zur Auswahl:

Screenshotb

  • Web Workers (Menschen)
  • IQ Engines - die maschinelle Bilderkennung.
  • Email - Auswahl eines bestimmten Kontakts aus dem Adressbuch. An diese E-Mail Adresse wird ein Link zu einer Seite geschickt, die dein Foto mit der aufgezeichneten Frage zeigt.
  • Twitter - der Link (wie bei E-Mail) wird mit deinem Twitter Account gezwitschert.

Es können einzelne oder alle Quellen ausgewählt werden. Nach dem Abschicken wird ein neues Fenster geöffnet, in dem alle Antworten auf deine Frage erscheinen. Sowohl Antworten von Menschen, als auch von der Maschine.

Das Ganze funktioniert schon recht gut. Aufgefallen ist mir:

  • VizWiz funktioniert bisher nur in englischer Sprache. Nicht nur die Programmoberfläche ist in Englisch, sondern auch die Menschen, die sich hinter "Web Workers" verbergen, wollen die Fragen offensichtlich auf englisch, und antworten auf englisch.
  • Diese WebWorker sind anscheinend überwiegend in USA beheimatet. Die Zeitverschiebung könnte dazu führen, dass man zu bestimmten Zeiten (vormittags) nur wenige Menschen antrifft.
  • Die maschinelle Erkennung scheint auf der gleichen Engine zu basieren, die auch von oMoby eingesetzt wird. Identische Ergebnisse bei mehreren Tests scheinen dies zu belegen
  • Die Angaben zum Twitter Account (Username und Passwort) werden nicht gespeichert. Wenn jemand ständig Twitter bemüht, ist die wiederholte Eingabe etwas nervig.

Vizwiz ist kostenlos, und daher allemal einen Versuch wert. Unnötig zu erwähnen, dass die VoiceOver Unterstützung durchgehend funktioniert.


Noch eine GPS App - Ariadne GPS Test mit VoiceOver

Montag, 20. Juni 2011

Eigentlich wollte ich bis auf weiteres keine Navigations-Apps auf Brauchbarkeit mit VoiceOver mehr testen. Die Beschreibung von Ariadne GPS hat mich aber so neugierig gemacht, dass ich die 2.39 € investiert habe. Und mein erster Eindruck ist überaus positiv.

Weil die App vermutlich wirklich nur für blinde und sehbehinderte iPhone Nutzer Sinn macht, diesmal keine Screenshots, sondern zwei Audios.

Das erste Audio zeigt den Startbildschirm beim Öffnen der App. Bitte um Nachsicht, dass mein 3GS nur eine GPS-Genauigkeit von 65 Metern zeigte. Ich war einfach zu faul, mich vom Sofa zu erheben.

Audio

Das zweite Audio zeigt ein verblüffendes Feature: Sich Umschauen. Die Umkreiskarte - sie stammt von Google - wird zum Sprechen gebracht. Der tastende Finger kann sich auf dem Bildschirm in der Umgebung des Standorts umschauen, oder besser: umhören.

Audio 2

Nachtrag 17.02.2012

Version 2.0 veröffentlicht.

Es gibt eine Website zur App, mit vielen Details, FAQ, Podcasts usw. Sogar eine eigene Mailingliste gibt es. Adresse auf der Website.


Mondfinsternis

Mittwoch, 15. Juni 2011

Mondfinsternis


Besser ging's mit der Lumix ohne Stativ nicht.


oMoby auf dem iPhone - auch mit VoiceOver

Dienstag, 14. Juni 2011

Beliebige Objekte mit dem iPhone fotografieren, und die kostenlose App oMoby erkennt, worum es sich handelt, und liefert gleich noch Links zu passenden Online-Shops.

Hier ein Versuch:

Screenshot 1
Screenshot 2
Screenshot 3
Screenshot 4
Screenshot 5

Eine Apple Magic Mouse wird korrekt erkannt, und sogar der reduzierte Preis bei Amazon wird richtig erkannt - wenn auch US$ anstatt Euro angezeigt werden.

Weiter Versuche mit beschrifteten Artikeln - Wein, Medikamente - wurden ebenso korrekt erkannt. Bei der Blumensorte auf meinem Balkon wurde immerhin noch "Rote Blumen" ausgegeben. Wär' auch zu viel des Guten verlangt, wenn oMoby auch noch Botianikkenntnisse eingebaut hätte.

Wie und warum das so gut funktioniert? Auf der Website von oMoby wird's erklärt.

Nicht sicher bin ich mir bezüglich der Zielgruppe; blinde iPhone User dürften Probleme mit qualitativ ausreichenden Fotos haben. Es sei denn, sie bedienen sich entsprechender Hilfsmittel. Wie dem i-Fix Stand. Doch darüber später und an anderer Stelle mehr.

Die VoiceOver Unterstützung ist jedenfalls gegeben, und entsprechenden Versuchen steht nichts entgegen.


Textbearbeitung auf dem iPhone

Freitag, 10. Juni 2011

Ich fand ein Juwel. Nun gut, ein Nischen-Juwel. Denn nicht jeder verspürt das Bedürfnis, HTML Dateien auf dem iPhone zu editieren. Aber die App hat noch mehr zu bieten.

DropFiler

Das klingt erst einmal nach einem Add-on für Dropbox. Und das ist es auch. Die App erweitert Dropbox um einige wichtige Funktionen. Dateien umbenennen, kopieren und bewegen. Das kann die Dropbox App auf dem iPhone nämlich nicht. Und dieses Feature alleine war mir die 1,59 € wert.
Screenshot

Jetzt aber zum Editiermodus:

DropFiler kann zwischen Editier- und Ansichtsmodus toggeln. Und im Editiermodus lässt sich auch HTML bearbeiten.

Das sieht dann so aus:
Screenshot 2
Screenshot 3

Das alles funktioniert auch mit VoiceOver! Eine blinde iPhone Benutzerin hat mich zwar darauf aufmerksam gemacht, dass die Rotorsteuerung auf einer externen Tastatur nicht funktioniert. Aber da sind wir schon bei den absoluten Feinheiten der Accessibility angekommen.

Dafür gibt es für VoiceOver Benutzer ein Zuckerl: Die App kann Fotos in die Dropbox hochladen. VoiceOver Benutzer werden verstehen, was ich damit sagen will.


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