Sprung zum Inhalt

Webdesign nach Maß von webdesign weisshart

Mein Blog

RSS Feed AbonnementRSS 2.0 Feed

zum Archiv und den Kategorien

Test qando iPhone App mit VoiceOver

Montag, 8. November 2010

Wiener Linien / Verkehrsverbund Ost-Region VOR bieten eine ganz pfiffige App für das iPhone namens qando. Wer, wie ich, nach kurzer Zeit von der Qualität des öffentlichen Nahverkehrs in Wien überzeugt ist, findet die qando-App auch schnell nützlich.

Die Kernfunktion der App ist die Suche nach Verbindungen. Startpunkt und Endpunkt sowie Abfahrtszeit eingeben oder auswählen, "Formular" abschicken, und eine übersichtliche Liste mit Verbindungen steht bereit. Alles auch mit VoiceOver bedienbar - und VoiceOver Nutzern käme diese App sicher manchmal gelegen.

Screenshot 1
Der Eingabebildschirm mit dem Absendebutton
Screenshot 2
Verbindungsanzeige nach dem Absenden (Fahrplan anfordern) (1)
Screenshot 3
Verbindungsanzeige nach dem Absenden (Fahrplan anfordern) (2)

Alles bedienbar? Fast! Nur ein kleines Dorf im Norden Galliens … nein; das war eine andere Geschichte. Hier handelt es sich "nur" um den Absendebutton. Der sieht zwar gut aus, und ist sogar sinnfällig mit "Fahrplan anfordern" beschriftet. Aber für VoiceOver gänzlich unsichtbar. Und damit ist alles, was sich nach der Fahrplananforderung auftut, unerreichbar.

Audio (Der Button Fahrplan anfordern steht nach dem Feld "Abfahrt"):

Audio des Eingabebildschirms

Was nur haben sich die Entwickler dabei gedacht?

Sollten sie sich tatsächlich nichts dabei gedacht haben, dann empfehle ich dringend folgende Lektüre:

iOS Accessibility sowie Making Your iPhone App Accessible

Nachtrag 12.11.2010

Hinweis an Wiener Linien geschickt:

Feedback:

qando ist für blinde und sehbehinderte iPhone User nicht nutzbar. Wegen eines einzigen Details.
Siehe: dieser Artikel

Verbesserungsvorschläge:
Den Button "Fahrplan anfordern" für VoiceOver "sichtbar machen".
Wie man das macht steht hier: http://is.gd/gQxBq und hier: http://is.gd/gQxyS

DANKE

Nachtrag 14.11.2010

Die Antwort von qando ist da:

Lieber Herr Weisshart,

vielen Dank für Ihr Feedback! Wir haben den Punkt zur Nutzung für blinde und sehbehinderte Personen an unsere Entwickler weitergeleitet. Uns ist es ein großes Anliegen mit qando ein hilfreiches und praktisches Service zur Verfügung zu stellen und danken Ihnen für Ihren Vorschlag zur Optimierung!

Liebe Grüsse,
Ihr qando Team

3 Monate später

Heute, 11.02.2011 gab es ein Update der App. Gleich mal schau'n, ob die Leute von quando es ernst meinen mit der Aussage "ist es ein großes Anliegen…"

Wie fast zu erwarten war: Leider nur heiße Luft. Ob es Sinn macht, per E-Mail nachzuhaken?

Nachtrag:

Ich hab's getan. Ich hab' qando noch einmal angeschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute gab es ja ein Update der qando App für's iPhone.

Zu meinem Bedauern musste ich feststellen, dass Sie meine 3 Monate alte Anregung, die App auch für blinde Menschen zugänglich zu machen, leider nicht aufgegriffen haben. Dabei wäre das wirklich nur eine Kleinigkeit.

Kann ich mit weiteren Informationen behilflich sein?

mit freundlichen Grüßen

Fritz Weisshart

Ob jetzt wieder nur so eine Textbaustein-Bla-Bla-Antwort kommt? Oder gar keine?

Nachtrag 15.02.2011

Die Antwort von qando:

Lieber Herr Weisshart,

Danke für Ihre neuerliche Email und das Angebot, behilflich zu sein.
Wir haben die Angelegenheit nicht aus den Augen verloren, doch müssen neue Ideen und Anregungen vor Ihrer Umsetzung überprüft und besprochen werden. Dadurch entsteht eine gewisse Vorlaufzeit.

Wir werden Sie aber informieren, sobald wir Ihnen genaueres zur Nutzung von qando für blinde und sehbehinderte Menschen sagen können.

Liebe Grüsse,
Ihr qando Team

Der Leser möge sich ein eigenes Urteil über den Wert dieser Antwort machen.

Nachtrag 01.04.2011

Auch das gestrige Update ändert leider nichts an dem beanstandeten Fehler. Mir drängt sich immer mehr der Eindruck auf, dass qando nicht wirklich an Feedback interessiert ist. Und auch nicht an Barrierefreiheit.
Nachtrag 28.04.2011

Gute Nachricht: qando hat geantwortet:

Sehr geehrter Herr Weisshart, Für das nächste Update von qando wird die durchgehende Sprachausgabe explizit überprüft.

Nachtrag 05.06.2011

Versprechen gehalten. In der aktuellen Version 3.0 ist die unüberwindbare Barriere der Vorgängerversionen behoben, der mit VoiceOver nicht bedienbare Button zum Anfordern des Fahrplans.

Die Version stellt ein umfassendes Redesign der App dar, mit vielen nützlichen Features. Leider ist beim Design der neuen Features die Barrierefreiheit wieder zu kurz gekommen.

Die Suche nach Start und Ziel ist - vorsichtig ausgedrück - gewöhnungsbedürftig. So findet z. B. die Eingabe von "schö" nicht wie erhofft Schloß Schönbrunn, sondern nur Schwedenplatz.

Menschen mit etwas Ortskenntnis können aber ganz elegant auch den Streckenplan aufrufen, und dort die gewünschte Station durch Antippen als Start oder Ziel übernehmen.

Diese Methode ist von blinden Menschen naturgemäß nicht nutzbar. Sehr gut nutzbar hingegen ist die Alternative Linienliste. Dort werden für jede Linie die einzelnen Stationen aufgelistet, und wieder durch Antippen als Start oder Ziel übernommen. Für ortskundige Benutzer eine sehr effektive Methode.

Leider ist diese Option für VoiceOver Nutzer ebenso unzugänglich, wie ehedem der Button zum Abrufen des Fahrplans. Der halbtransparente Layer zur Auswahl zwischen Streckenplan und Linienliste wird von VoiceOver nicht gelesen, ja, er kann gar nicht aufgerufen werden.

Screenshot 4
Der transparente Layer zur Auswahl zwischen Linien und Netzplan. VoiceOver "sieht" diesen Layer, und die Buttons zur Auswahl nicht.

Schade.

Die Agentur hat zugesagt, diesen Mangel mit dem nächsten Update zu beheben. Effektiver wäre es sicherlich, die Barrierefreiheit neuer Features bereits früher im Entwicklungsprozess zu berücksichtigen und zu testen.

Es gibt eine Reihe weiterer Schwachstellen, die hauptsächlich im Bereich Usability, und nicht Barrierefreiheit/Accessibility angesiedelt sind. Also Schwachstellen, die alle Benutzer betreffen. Die Details im einzelnen aufzuführen, würde den Rahmen dieser Artikelserie sprengen. Eine ausführlichere Auflistung wurde jedoch von meiner "Mitstreiterin" Eva Papst an die Entwickler der App überreicht.

An dieser Stelle habe ich beschlossen, die weitere Entwicklung nicht mehr zu beobachten/dokumentieren. (Es wurde mir einfach zu dumm.)


Archiv:

Kategorien:

Creative Commons Lizenzvertrag
Alle Texte (nicht Bilder!) Creative Commons CC BY-NC-SA 3.0 DE