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Webdesign nach Maß von webdesign weisshart

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Sprachauszeichnung oder nicht Sprachauszeichnung, das ist hier die Frage.

Samstag, 10. April 2010

Sprachauszeichnung - die zweite Lektion für jeden, der sich mit Barrierefreiheit beschäftigt. Damit Screen Reader das Web-Dokument in der richtigen Sprache vorlesen.

Klar, die (Haupt-)Sprache des Dokuments muss im <head> ausgezeichnet werden. Artikel zu Sprachauszeichnung bei www.456bereastreet.com

Ganze Sätze, z.B. Zitate, in abweichender Sprache, sollte man auf jeden Fall auszeichnen.

Aber wie verhält es sich mit einzelnen Wörtern oder Phrasen? In diesen Fällen gilt es, unter Anderem auch Folgendes zu bedenken:

  • Nicht jeder Screen Reader unterstützt automatisch jede Sprache. Im Grundpaket sind wohl etliche fremdsprachliche Stimmen enthalten, andere müssen hingegen separat gekauft und installiert werden.
  • Eine Besonderheit stellt der kostenlose Screen Reader NVDA dar, der ständig mehr Anhänger findet: Er unterstützt keine Sprachwechsel innerhalb eines Dokuments.
  • Einen abweichenden Ansatz verfolgt der Screen Reader VoiceOver, der in iPhone, iPod und iPad ab Werk verfügbar ist: dort sind zig (20?) Sprachen standardmäßig enthalten.
  • Jeder Sprachwechsel innerhalb eines Dokuments unterbricht den Lesefluss. Es dauert, bis die Software “den Schalter umlegt". Und jede Sprache hat einen abweichenden Klang; auch das kann den Lesefluss stören.
  • Viele gebräuchliche Fremdwörter, z.B. aus der Informationstechnologie, sind in Screen Readern bereits mit der korrekten Aussprache hinterlegt, und werden auch ohne Sprachauszeichnung korrekt ausgesprochen.
    Hier ein Beispiel mit solchen Ausdrücken ("Open Source Flash Video Player") gelesen vom NVDA:


    Download mp3
    Audio Download des Hörbeispiels (mp3 - 294 kB)
  • “Eingedeutschte” Deklination von Fremdwörtern (z. B. “in Screen Readern") darf nicht in der Fremdsprache ausgezeichnet werden, weil es diese deklinierte Form in der jeweiligen Fremdsprache höchstwahrscheinlich gar nicht gibt. Gleiches gilt für zusammengesetzte Fremdwörter, die laut neuer deutscher Rechtschreibung zusammen geschrieben werden. Beispiel: Longdrink.
  • Zuletzt noch ein Fall, der zwingend die Auszeichnung einzelner Wörter verlangt: Eigennamen. In diesem Fall dürfte kein Screen Reader die korrekte Aussprache “erraten". Beispiel mit korrekter Auszeichnung: Giscard d’Destaing oder ohne Auszeichnung: Giscard d’Destaing

Ein schönes Beispiel mit Sprachauszeichnungen gibt es bei 456bereastreer. Wer einen oder gar mehrere Screen Reader verfügbar hat, findet hier interessantes Material für eigene Tests.

Mein Fazit: Ich bin mit Sprachauszeichnung von einzelnen Wörtern inzwischen äußerst zurückhaltend. Im Zweifel verzichte ich darauf. Wenn ich es ganz genau machen will, und mir viel Zeit nehme, dann teste ich ausgewählte Texte mit NVDA und Jaws.



11 Kommentare

  1. Meiner Ansicht nach sollte ein zweiter Aspekt der Sprachauszeichnung nicht vergessen werden:
    Die Verarbeitung durch Programme, die nicht unmittelbar der Sprachausgabe dienen.

    Momentan berücksichtigen zum Beispiel Suchmaschinen die sprachliche Bedeutung von einzelnen Wörtern zwar kaum, das kann sich aber rasch ändern.

    So macht es für die Erfassung eines deutschen Textes dann sehr wohl einen Unterschied, wenn z.B. das Wort “Webhandwerk” da steht und der Teil “Web” englischsprachig ausgezeichnet ist.

    Ein lustigeres Beispiel - das vor kurzem die Runde machte - ist die Biermarke “Fucking Hell". Englisch erfasst, wissen wir wohl alle was es heißt und die Firma spielt natürlich mit dem Effekt.
    Der Name bezieht sich auf den Salzburger Ort Fucking und darauf, dass es ein helles Bier ist.
    Für ein schnödes Programm (Suchmaschine) ist das ohne Sprachauszeichnung natürlich nicht einzuordnen.

    Gerade im Zusammenhang mit Anglizismen gibt es da jede Menge semantische Fallstricke: senbsibel, sensitive, intelligent …

    Kommentar von Gerald (hyperkontext) — Samstag, 10. April 2010 - 14:26 Uhr

  2. Hallo Gerald,

    das “Webhandwerk” ist ein schönes Beispiel. Ich würde das nie und nimmer in der von dir angesprochenen Art auszeichnen. Also keinesfalls etwas in der Art:
    <span lang="en” xml:lang="en">Web</span>handwerk.
    Ein Sprachwechsel innerhalb eines Worts dürfte so manchen Screen Reader ins Schleudern bringen, und im günstigsten Fall den Lesefluss dermaßen stören, dass die Verständlichkeit darunter leidet.
    Hier mal ein Sound-Beispiel, vorgelesen von Jaws 10:
    http://w7t.de/V

    Zu Fucking Hell kann ich nur sagen: Die armen Blinden, denen das Wortspiel verborgen bleibt, wie auch immer du dich bezüglich Sprachauszeichnung entscheidest. Es sei denn, sie lesen auf der Braille Zeile, und können dann wie jeder Schwarzschrift-Leser ihren Gedanken freien Lauf lassen.

    Kommentar von Fritz — Samstag, 10. April 2010 - 15:22 Uhr

  3. Ein noch komplexeres Beispiel ist ja “Webdesign".

    Screen-Reader lesen das ohne Sprachauszeichnung meist nur dann halbwegs richtig vor - [Wäb Disein], wenn du “Web Design” schreibst, was im Englischen ja durchaus auch eine richtige Schreibweise ist. Zusammen geschrieben, ohne englische Sprachauszeichnung, sagen sie halt “[Weeb:de:sign]", manche auch mit korrekter Sprachauszeichnung.

    Im Zusammenhang mit Anglizismus könntest du aber mit “Web-Design” durchaus auch etwas mit dem Weber-Handwerk beschreiben.
    Folglich müsste die Sache dann so ausgezeichnet sein: Web-Design.

    Schwierige Sache und noch schwieriger, wenn es nicht nur um Sprachausgabe geht, sondern um die sprachliche Bedeutung für andere Auswertungsprogramme.

    Kommentar von Gerald (hyperkontext) — Samstag, 10. April 2010 - 15:50 Uhr

  4. Ups, da war ein Auszeichnungs-Lapsus vorhin.

    Der Satz sollte lauten:
    Folglich müsste die Sache dann so ausgezeichnet sein: Web-<span lang="en">Design</span>

    Kommentar von Gerald (hyperkontext) — Samstag, 10. April 2010 - 15:54 Uhr

  5. Danke für dein Beispiel “Webdesign".
    Dafür gibt es, wenn überhaupt, nur eine Möglichkeit der Sprachauszeichnung: deutsch.
    In der englischen Sprache gibt es dieses Wort nicht, und damit darfst du auch keine verständliche Aussprache erwarten.

    Zum Thema “andere Auswertungsprogramme” wie zum Beispiel die von dir erwähnten Suchmaschinen: Es wird immer schwierig sein, Werkzeuge, die für einen bestimmten Zweck geschaffen wurden, für andere Zwecke einzusetzen, oder gar die berühmten 2 Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen. Und ich behaupte einfach mal, dass Sprachauszeichnung ursprünglich für Screen Reader erfunden wurde. Auch wenn es heute möglicherweise anders dokumentiert wird.

    Kommentar von Fritz — Samstag, 10. April 2010 - 16:04 Uhr

  6. “Und ich behaupte einfach mal, dass Sprachauszeichnung ursprünglich für Screen Reader erfunden wurde.”

    Uff, das ist ne harte Behauptung, die ich dir ad hoc nicht widerlegen kann. Ich habe aber starke Zweifel. Ich vermute eher das Gegenteil.

    Vielleicht finde ich mal Zeit, da genauer zu recherchieren.

    Kommentar von Gerald (hyperkontext) — Samstag, 10. April 2010 - 16:35 Uhr

  7. “Und ich behaupte einfach mal, dass Sprachauszeichnung ursprünglich für Screen Reader erfunden wurde.

    Some situations where author-supplied language information may be helpful include:
    Assisting search engines
    Assisting speech synthesizers
    Helping a user agent select glyph variants for high quality typography
    Helping a user agent choose a set of quotation marks
    Helping a user agent make decisions about hyphenation, ligatures, and spacing
    Assisting spell checkers and grammar checkers

    Quelle: http://www.w3.org/TR/html4/struct/dirlang.html#h-8.1

    Die Sprachausgabe ist also nur eine von vielen Gründen. Und zudem die IMHO schwächste Begründung für den enormen Aufwand, denn eine wirklich vollständige Sprachauszeichnung nach sich zieht (aus langjähriger Erfahrung behaupte ich mal, dass man max. 50% maschinell gegriffen bekommt, der Rest muss dann händisch nachgearbeitet werden.)
    Problematisch ist auch, dass es unterschiedliche und teils widersprüchliche Aussagen von Nutzern zum gewünschten Umfang von Sprachauszeichnungen gibt: eine ganze Reihe Screenreader-Nutzer wünschen sich eine möglichst vollständige Auszeichnung; ebensoviele Nutzer sind aber wegen der bereits erwähnten “Gedenksekunden” beim Umschalten der Sprache auch genervt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Aussage aus der Gruppe der erfahrenen Power-User mit schneller Maschine und neuestem Screenreader, oder aus der Gruppe der eher unerfahrenern Nutzer mit geringer Internet-Kompetenz, langsamen Rechner und veraltetem Hilfsmittel kommt die Aussagen kommen aus beiden Gruppen.
    Also bleibt aus Sicht des Inhalte-Anbieters eigentlich nur die weniger aufwändige Variante übrig weil: egal wie man es macht, man macht es immer falsch, und die eine Variante verursacht zumindest den geringsten Aufwand.

    Kommentar von Der Caspers — Sonntag, 11. April 2010 - 11:01 Uhr

  8. @ Der Caspers

    d’accord soweit es deine Aussagen zu unterschiedlichen Ansprüchen von Screen Reader Nutzern geht.

    Aber glaubst du wirklich, dass in absehbarer Zukunft Suchmaschinen oder User Agents irgend einen Nutzen aus der Auszeichnung von Sprachwechseln ziehen.

    Assisting search engines
    Helping a user agent select glyph variants for high quality typography
    Helping a user agent choose a set of quotation marks
    Helping a user agent make decisions about hyphenation, ligatures, and spacing
    Assisting spell checkers and grammar checkers

    Ich betone: Sprach"wechsel", also von der globalen Dokumentsprache abweichende Auszeichnung einzelner Wörter, nicht die Auszeichnung des Dokuments. Nur um Sprachwechsel ging es mir in meinem Artikel.

    Glaubst du wirklich, dass ein User Agent für ein einzelnes Wort eine abweichende Regel für die Silbentrennung anwendet, wenn es entsprechend ausgezeichnet ist? Und die Hoffnung, dass dies irgend wann einmal passieren könnte, soll dann eine stärkere Begründung für die Auszeichnung von Sprachwechseln sein, als die Unterstützung von Screen Readern? Oder hab’ ich dich da ganz falsch verstanden?

    Kommentar von Fritz — Sonntag, 11. April 2010 - 12:21 Uhr

  9. Jo, die Begründung aus 7. von @DerCaspers, letzter Absatz, finde ich sehr einleuchtend. Danke auch für die Schnellrecherche, Tomas.

    Werde meine eigene (exzessive) Praxis in dieser Hinsicht mal überdenken.

    Kommentar von Gerald (hyperkontext) — Montag, 12. April 2010 - 1:17 Uhr

  10. Also ich mache es mir einfach und orientiere mich grob daran, ob das Wort im Deutschen deutlich anders ausgesprochen würde als im Englischen.

    Glücklicherweise hatte ich bisher nur mit diesen beiden Sprachen zu tun.

    Das mag zwar manchmal beim einen oder anderen Screenreader nicht ganz passende Ergebnisse produzieren, aber dürfte für den Regelfall besser sein, als ohne Sprachauszeichnung.

    Testen mit verschiedenen Screenreadern wäre zwar wünschenswert, aber würde mir zu zeitintensiv/-wändig werden.

    Kommentar von Dieter (Webseiten-Infos.de) — Sonntag, 18. April 2010 - 21:56 Uhr

  11. Das ist eine erstaunliche Detail-Verliebtheit, die ich für überflüssigen Kleinkram halte.
    So bezeichnet der Blind-Text Blog die Sprachauszeichnung innerhalb einer Seite. Und dort schreiben Pragmatiker; Menschen, die wissen, worüber sie schreiben, weil sie selbst betroffen sind. Eine interessante Bestätigung meiner Position.

    Kommentar von Fritz — Montag, 28. Juni 2010 - 19:47 Uhr

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