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Durchgendern

Freitag, 15. Juni 2007

Durchgendern?
Über diesen Ausdruck bin ich kürzlich in einem Forum gestolpert.
Ohne im Duden nachzuschlagen, ob es das tatsächlich gibt - mir dreht sich bei solch einem (Un)Wort der Magen um.

Was soll dieses Wortungetüm bedeuten?
Gender (engl. Geschlecht) ist ein Substantiv, und wird im Deutschen? zum Verb gendern verbogen. Damit soll die verbreitete, und wohl auch teilweise gesetzlich vorgeschriebene! Unsitte beschrieben werden, die Gleichberechtigung in der deutschen Sprache umzusetzen.

Folgende, nicht ganz ernst gemeinte Bibelübersetzung soll das Prinzip verdeutlichen:

Jeder und jede, der oder die von diesem Wasser trinkt, den oder die
wird wieder dürsten; jeder und jede aber, der oder die von dem Wasser
trinken wird, das ich ihm oder ihr gebe, den oder die wird nicht mehr
dürsten in Ewigkeit, denn das Wasser, das ich ihm oder ihr geben werde,
wird in ihm oder ihr zu einer Quelle …

Was sagt die "Bibel" der deutschen Sprache, der Duden dazu:
Der Band 9, "Richtiges und gutes Deutsch", beschäftigt sich mit der "Gleichstellung von Frauen und Männern in der deutschen Sprache" auf sieben Seiten.

Korrekte Kurzformen für "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" im Deutschen nach Duden sind:
* Mitarbeiter/-innen
* Mitarbeiter(innen)

Und dann gibt es noch ein weiteres Ungetüm, das immer häufiger zu sehen ist: Das Binnen-I oder Binnenmajuskel.
* MitarbeiterInnen

Welche Verrenkungen und Vergewaltigungen der deutschen Sprache. Da kann ich nur noch sagen:
"Liebe MenschInnen, habt ihr sonst keine Sorgen?"

Ach ja … dieser Ausruf ist "durchgegendert", womit wir wieder beim ursprünglichen Thema dieses Beitrags angekommen sind. Und mir hat sich dabei der Magen umgedreht. Muss das wirklich sein? Was bringt das? Wem hilft das?

Nachtrag 15.07.:
Damit ich nicht falsch verstanden werde: ich bin weder Macho, noch gegen Gleichberechtigung. Ganz im Gegenteil. Aber anstatt meine Texte "durchzugendern", bemühe ich mich lieber aktiv um Zugänglichkeit meiner Seiten für alle "UserInnen", damit wirklich alle "Menschen und Menschinnen" Zugang haben. Also z.B. auch blinde, farbenblinde, oder motorisch eingeschränkte Besucher. Und ich fühle mich kein bisschen unwohl dabei, auch meine Besucherinnen als "Besucher" anzusprechen.



4 Kommentare

  1. Die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen ist ein wesentliches Thema für alle, die sich in irgendeiner Weise mit Sprache auseinander setzen. Einige Verlage haben Richtlinien zur Vermeidung diskriminierender Formulierungen herausgegeben, und auf vielen wichtigen Gebieten bemühen sich Institutionen, Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie auch Redakteurinnen und Redakteure bewusst darum, Unausgewogenheiten zu beseitigen!

    In einer Gesellschaft, die sich zu Gleichstellung von Frauen und Männern bekennt, müssen auch beide Geschlechter sprachlich zum Ausdruck kommen. Als Gegenargument wird häufig gebracht, dass Frauen ohnehin "mitgemeint" wären. Sprache transportiert Bilder und Bedeutungen. Frauen werden in der rein männlichen Sprachform jedoch nicht automatisch mitgedacht! Das belegen zum Beispiel neue Studien zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch. So wurden bei einem Experiment Frauen unterschiedliche Versionen eines Fragebogens vorgelegt. Wenn in der Frage beide Geschlechter angesprochen waren, wurden beispielsweise häufiger weibliche Romanheldinnen genannt als bei der Fragestellung in der rein männlichen Form.

    Geschlechtsneutrale Sprache NENNT Frauen, WENN sie VORKOMMEN. Nicht mehr und nicht weniger. Männer haben diesbezüglich Vorteile: Ein Mann kann darauf vertrauen, dass die allgemeine Sprache in seiner sich auf ihn beziehenden Alltags-Realität immer sein Geschlecht beinhaltet. Dieser für Männer normale Zustand ist für Frauen anders, mit allen verhaltenspsychologischen und sozialen Konsequenzen.
    Außerdem hatte die Frauenbewegung in den siebziger Jahren bereits einen nachweislichen Einfluss auf die geschriebene Sprache. Sprache ist nichts Starres, sondern entwickelt und verändert sich laufend…..

    Kommentar von Martina Eigelsreiter — Freitag, 15. Juni 2007 - 9:21 Uhr

  2. Richtig, Sprache transportiert Bilder und Bedeutungen.

    Deshalb wurde von der Emanzipationsbewegung auch dem Grundgesetz in Artikel 3, in dem es in Absatz 1 um die Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz geht, in Absatz 2 eine Unterscheidung nach Frauen und Männern "verordnet".

    So weit, so gut. Nun bezieht die Formulierung "Frauen und Männer", die als Sprache Bilder und Vorstellungen transportiert, Kinder aber nicht mit ein! Denn das "Bild", dass sich einem Menschen mit völlig normalem Sprachempfinden bei dieser Formulierung vor dem geistigen Auge auftut, sind webliche und männliche Erwachsene - keine Kinder!

    Watt nu - wurde da was von wem vergessen?

    Nachdenklicher Gruß!

    Kommentar von Dieter Krautkrämer — Samstag, 16. Juni 2007 - 16:38 Uhr

  3. Also frei nach der Meinung von Martina Eigelsreiter:

    Sehr geehrte Frauinnen und Frauen, liebe Mänerinnen und Männer …

    *kopfschütteln*

    lg
    newbalu

    Kommentar von newbalu — Montag, 29. Oktober 2007 - 0:09 Uhr

  4. Die von interessierten Kreisen verordnete Sprachregelung hat mit wirklicher Emanzipation nichts zu tun und ist, dem Himmel sei's gedankt, auch leicht zu unterlaufen.
    Wenn ich jedenfalls für meine Praxis Personal einstelle, dann suche ich Mitarbeiterinnen, die fließend halbwegs anspruchsvolles Deutsch lesen, sprechen und schreiben können. Dass ich das nach dem neuen Antidiskriminierungsgesetz (auch so ein verachtenswertes Sprachgeblide) nicht mehr so ausschreiben darf, hat natürlich keinen Einfluss auf das reale Ergebnis meiner Auswahl. Im wirklichen Leben geht das so, auch wenn die Befürworter von gender studies und Antidiskrimination das nicht wahrhaben wollen.
    mit freundlichen Grüßen an alle Lebewesen. (gut das das ein Neutrum ist)
    Christoph Jochum

    Kommentar von Dr. Christoph Jochum — Freitag, 2. Januar 2009 - 15:14 Uhr

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