Der virtuelle Pranger
Donnerstag, 25. Februar 2010
Der Internetauftritt der Bahnhofsmission hat mich einige Tage beschäftigt. Anlass war die Klage meiner taubblinden Bekannten Marina Pompe, die wegen gravierender Mängel der Website der Bahnhofsmission nicht an dringend benötigte Informationen kam. Siehe M. Pompes Artikel dazu auf www.tbl-welt.de. Die Leitung der Bahnhofsmission stellte sich leider taub für die begründeten Anliegen ihrer eigenen Klientel. Eine ganze Reihe von E-Mails blieb unbeantwortet und unbearbeitet. Sogar eine Mängelanzeige des AbI-Projekts wurde schlicht ignoriert.
Mit so viel Ignoranz konnte und wollte ich mich nicht zufrieden geben. Ich wollte meiner taubblinden Bekannten bei Ihrem Bemühen helfen, sich ein klein wenig Selbständigkeit zurück zu erobern.
Offener Brief
Ich griff zu einer Maßnahme, die mir nicht leicht fiel: Ein offener Brief an die Leitung der Bahnhofsmission (den ich in Kopie natürlich auch per E-Mail an die Adressaten schickte).
Und siehe da: plötzlich klappte es mit der Kommunikation. Herr B., einer der Angeschriebenen, antwortete. Und beklagte sich zuerst einmal über die Tatsache, dass
… Organisationen, die nicht oder (wie in unserem Fall) nicht umgehend reagieren, in Foren, Blogs etc. sehr schnell an den virtuellen Pranger gestellt [werden]
“Nicht umgehend"? Die nicht beantwortete Mängelanzeige des AbI-Projekts datiert vor dem November 2009. Auf M. Pompes und meine Mails kam über zwei Wochen keinerlei Reaktion, nicht einmal eine Eingangsbestätigung.
Nein, Herr B. Sie haben keinen Grund, sich zu beklagen. Mit Ihrer Methode, auf Anfragen und wohlmeinende Hinweise per E-Mail schlichtweg nicht zu reagieren, rechtfertigen Sie nachträglich das, was Sie selbst virtuellen Pranger nennen. Es scheint leider die einzige Möglichkeit zu sein, Bitten oder Vorschläge an Sie heranzutragen.
Flurschaden
Herr B. schrieb weiter:
… führt aber u.U. zu einem dauerhaften Flurschaden, wenn einschlägige Beiträge nicht wieder entfernt werden.
Nein, Herr B., Sie verwechseln da etwas. Der Flurschaden besteht bereits. Auf Ihrem Internetauftritt. Und die “einschlägigen Beiträge” wurden in der Absicht erstellt, diesen Flurschaden zu begrenzen.
Ein Lichtblick
Zwei von drei der konkret angesprochenen Mängel wurden inzwischen behoben. Der Aufwand für diese Nachbesserung betrug mit Sicherheit nur einen Bruchteil des Aufwands, den ich in meine Bemühungen investiert habe, mit der Bahnhofsmission in Dialog zu treten.
Bei dieser Gelegenheit gilt mein besonderer Dank Eva Papst, die mein Vorhaben mit einem eigenen Blogbeitrag und mehreren E-Mails an die Bahnhofsmission unterstützt hat.
3 Kommentare
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Schön, dass sich wenigstens etwas getan hat, so war das Bemühen doch nicht ganz umsonst! Und schon lustig, wie realitätsfern manche Websitebetreiber sind …
Kommentar von Martin — Donnerstag, 25. Februar 2010 - 11:45 Uhr
Hier die betroffene Dame als Betreiberin der taubblindenwelt.de:
Bis heute (26. Feb. 2010, 14:42 h) habe ich von der Bahnhofsmission keinerlei Rückmeldung.
Ich freue mich, dass die bahnhofsmission.de nun endlich zugänglich ist und danke überschwenglich für die erfahrene Unterstützung! Ich werde schon in Kürze diesen Zugang zu den Email-Adressen der Bahnhofsmissionen nutzen.
Mal schauen, wie das dann funktioniert
Eure Marina Pompe
Kommentar von M. Pompe — Freitag, 26. Februar 2010 - 14:43 Uhr
Manueller Trackback:
Februar 2010 im Kontext - Mission für Erkenntnis
http://hyperkontext.at/weblog/artikel/februar-2010-im-kontext/#mission-fuer-erkenntnis-h250
[…] Auf diesen offenen Brief erfolgte nun endlich eine (nicht öffentliche, aber von Fritz auszugsweise zitierte) Antwort mit süffisanten Bemerkungen, etwa die subtile Aufforderung – oder gar Drohung – “einschlägige Beiträge zu entfernen". […]
Kommentar von Gerald (hyperkontext) — Sonntag, 7. März 2010 - 1:16 Uhr