Webseiten vorlesen für Alle
Montag, 12. Oktober 2009
Seit einiger Zeit schon gibt es auf manchen Seiten im Web die Möglichkeit, sich die Seite vorlesen zu lassen.
Zum Beispiel bei heise online
Dazu muss lediglich ein Grafiklink angeklickt werden.
Dass dieser Service nicht für blinde Surfer gedacht sein kann, ist offensichtlich. Wie sollte ein Blinder den Link zum Anklicken finden? Dazu braucht er erst einmal einen Screen Reader, der ihm die Seite vorliest – und wenn der Screen Reader liest, dann braucht er den Vorleseservice nicht mehr.
Wozu also der Aufwand?
Nun gut, ich habe gelernt, dass angeblich Menschen mit Leseschwäche für diese Erleichterung dankbar wären.
Ich kann das leider nicht überprüfen, aber meine persönliche Meinung ist: Man schmückt sich mit einem mehr oder weniger nutzlosen Feature, um zu demonstrieren, wie fortschrittlich man ist, wie sehr man um Barrierefreiheit bemüht ist.
Was ist aber mit der scheinbaren Zielgruppe, den blinden und sehbehinderten Surfern, die einen Screen Reader benutzen? Wehe, wenn sie versehentlich diesen Link betätigen. Dann fängt die Vorleserei an, während gleichzeitig der Screen Reader den Inhalt eines Popups vorliest, das sich beim Klick öffnet. Und das klingt dann so:
Download des Hörbeispiels (mp3 - 428 kB)
Warum schildere ich das so detailliert?
Ich suche immer noch nach einer Möglichkeit, Seiteninhalte vor Screen Readern zu verstecken. Hier wäre ein klassischer Anwendungsfall. Und ein Fall für praktizierte Gleichberechtigung. Warum soll ich Screen Reader Nutzern Inhalte präsentieren, die im besten Fall überflüssig für sie sind.
Leider kann man zwar Seiteninhalte zuverlässig vor sehenden Besuchern verstecken, aber der umgekehrte Weg scheint nicht möglich zu sein.
Oder doch? Kennt jemand eine Technik?
2 Kommentare
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Hallo, soweit ich weiß, kann man ’stumm’ schalten mit der css-Formatierung “speak:none;", siehe dazu folgende Erklärung:
http://www.css4you.de/speak.html
Habe das aber noch nicht ausprobiert, da ich keinen screenreader habe.
Viele Grüße
Barbara
Kommentar von Barbara Flindt — Sonntag, 18. Oktober 2009 - 18:10 Uhr
@Barbara,
leider gibt es keinen einzigen Screen Reader, der CSS-Angaben zur Sprache interpretiert. Der ganze Abschnitt http://www.css4you.de/auralproperty.html ist daher Theorie.
Kommentar von Fritz — Donnerstag, 22. Oktober 2009 - 16:19 Uhr