Sprachwechsel für Screen Reader auszeichnen
Samstag, 26. September 2009
Kaum wusste ich, dass es Screen Reader gibt, schon sah ich mich mit der Aufgabe konfrontiert, Sprachwechsel im Markup auszuzeichnen.
Doch gemach und der Reihe nach:
Screen Reader, das sind die Programme, die blinden und stark sehbehinderten Computerbenutzern den Bildschirminhalt vorlesen. Hut ab vor der Leistung dieser Programme. Sie schaffen es, verständlich vorzulesen, wenn auch der Tonfall der synthetischen Stimmen gewöhnungsbedürftig ist.
Nun ist leicht nachzuvollziehen, dass diese Programme wissen müssen, in welcher Sprache der geneigte Hörer den Text gerne vorgelesen hätte. Geben Sie einem deutschen Erstklässler einen englischen Text zum Vorlesen, und Sie wissen, was ich meine.
Für Webseiten gilt:
Damit Screen Reader wissen, in welcher Sprache Sie vorlesen sollen, suchen sie nach dem lang-Attribut im <html> Tag.
Beispiel:
<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml” lang="de” xml:lang="de">
Screen Reader wissen nun: Die Sprache der Seite ist deutsch. So weit so gut.
Was nun, wenn auf einer Webseite anderssprachige Passagen vorkommen?
Nun, die Schulbuchweisheit sagt: Diese Passagen müssen entsprechend ausgezeichnet werden. Das sieht an einem Beispiel folgendermaßen aus:
<span lang="en” xml:lang="en">Best Practice</span>
und das Ergebnis klingt sogar, von einem Screen Reader wie z. B. Jaws vorgelesen, zumeist relativ vernünftig nach Englisch.
Leider wird Sprachauszeichnung wohl nur auf einem verschwindend geringen Anteil der Webseiten realisiert. Das haben anscheinend auch die Hersteller von Screen Readern festgestellt. Und haben ihren Programmen beigebracht, die am häufigsten auch in deutschen Texten vorkommenden englischen Ausdrücke auch ohne Sprachauszeichnung richtig auszusprechen. Was dann wohl wiederum zur Folge hat, dass genau diese Ausdrücke, mit einer an sich korrekten Sprachauszeichnung versehen, vollkommen entstellt vorgelesen werden.
Dazu kommt noch ein weiteres Problem: Der Screen Reader braucht eine merkbare Zeit, um den ausgezeichneten Sprachwechsel zu realisieren. Er legt eine hörbare, und den Lesefluss störende, Pause ein.
Mein Fazit: Ich bin inzwischen mit der Auszeichnung von Sprachwechseln sehr zurückhaltend geworden. Lieber einmal zu wenig, als einmal zu oft.

Die Geister scheiden sich daran, wie denn nun ein Link am besten geöffnet werden soll. Die einen schätzen ein neues Fenster, um die alte Ansicht nicht zu verlieren. Andere hassen das Fenstergewirr.