Dienstag, 7. Juli 2009
Behindern gehörlose Übersetzer die Schaffung barrierefreier Webseiten?
oder
Übersetzer für DGS (deutsche Gebärdensprache) gesucht
Beim Thema Barrierefreiheit denken die meisten Webworker erst einmal an blinde Menschen. Wenn sie sich überhaupt zu diesem Thema Gedanken machen.
Dieser Ansatz ist auch gut. Wenn Webseiten so gestaltet werden, dass sie für blinde Menschen mit den entsprechenden Hilfsmitteln (Screen Reader) zugänglich sind, dann ist ein wichtiger Schritt zur Barrierefreiheit getan.
Es gibt aber noch weitere Behinderungen, die bei der Erstellung barrierefreier Webseiten berücksichtigt werden müssen. Neben Menschen mit motorischen Behinderungen ist insbesondere die Gruppe der gehörlosen Menschen zu nennen. Auf letzteren Fall möchte ich in diesem Beitrag speziell eingehen.
“Wieso sollte Gehörlosigkeit bei der Benutzung des Internet ein Problem darstellen?” werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. “Gehörlose Menschen können doch lesen.”
Leider trifft diese Aussage nur bedingt zu. Für von Geburt gehörlose Menschen ist Deutsch eine Fremdsprache. Sie sind mit Gebärdensprache aufgewachsen. Ihr Sprachverständnis für die deutsche Schriftsprache ist in manchen Fällen auf dem Niveau der 4. Klasse.
Als Lösung bietet sich die Bereitstellung von Gebärdensprachfilmen an. Dabei werden die Inhalte der Internetseiten in Deutsche Gebärdensprache übersetzt und auf Video verfilmt. (…) So sind wichtige Informationen auch für Gehörlose barrierefrei erreichbar und nur noch einen Mausklick entfernt.
Quelle: www.dgs-filme.de/GWHomepage/barrierefreiheit.htm
Leider ist nun diese empfohlene “Bereitstellung von Gebärdensprachfilmen” ihrerseits mit einer in vielen Fällen unüberwindlichen Barriere behaftet: Die Kosten für die Erstellung entsprechender Übersetzungen sind exorbitant. Für einen mittelschweren Text mit 600 Wörtern (entsprechend ca. 1 ½ Seiten oder dem 1 ½ fachen Umfang dieses Beitrags) wurde mir von zwei Anbietern jeweils ein Preis von 1000 (tausend) Euro genannt.
Ich kann nachvollziehen, dass der Aufwand für die Erstellung von Gebärdensprachfilmen höher ist als beispielsweise die Übersetzung in eine andere Schriftsprache. Ein Schmunzeln hat mir jedoch folgender Passus in einer mit dem Angebot gelieferten Leistungsbeschreibung entlockt:
… die genaue Einstellung der Kamera, die Auswahl und Positionierung der Scheinwerfer sowie die Vorbereitung des Hintergrundes. Auch muss die Kleidung des Darstellers festgelegt werden.
Ich will nicht von Abzocke sprechen. Ich glaube auch nicht, dass hier eine gewisse Monopolstellung missbraucht wird.
Beide Angebote stammen von “Muttersprachlern", also von gehörlosen Menschen, deren Muttersprache die deutsche Gebärdensprache ist. Eine wichtige Voraussetzung für eine qualitiativ hochwertige Übersetzung.
Aber:
Mit diesen Preisen verhindern die Anbieter, also die Betroffenen selbst!, dass mehr Webseiten barrierefrei nach ihrer eigenen Definition gestaltet werden.
Ich suche weiter nach einer Möglichkeit, Gebärdensprachfilme zu Kosten anzubieten, die es auch nichtkommerziellen und nichtöffentlichen Webseitenbetreibern ermöglicht, gehörlose Seitenbesucher in ihrer Muttersprache anzureden.